JuristInnen-Flut im Staatsdienst

Es gibt kaum eine Stellenausschreibung im Bundes-, Landes- oder Gemeindedienst, die nicht den Abschluss eines rechtswissenschaftlichen Studiums erfordert. Jedoch sind dies meist keine Stellen im Bereich der Gesetzgebung, sondern sind meist mit Vollziehungs- bzw. Interpretierungsaufgaben befasst. Für den eigentlichen Legistischen Dienst ist dies natürlich unabdingbar. Jedoch wurde uns gerade erst vor Augen geführt, wie sinnvoll eine Ausschließung jedes anderen Studiums, außer jenes der Rechtswissenschaft ist. Weiterlesen

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Spekulation oder wenn Zwerge zu Riesen werden

Ähnlich wie in meinem Artikel zur Kommunalkredit, beschreibt Mario Nefischer für mich sehr treffend, welche Banken gestürzt sind und wodurch. Großteils durch mehr oder weniger strafbare Handlungen, die – im Falle der Kommunalkredit hoffentlich bald – auch zu Entscheidungen der Justiz führen. http://www.banknews.at/1/post/2012/03/die-wahrheit-ber-sterreichs-bankenrettungen.html

Jedoch weniger ins Bild gerückt wurden jene Banken die bis jetzt nur gestrauchelt sind und mit Hilfe des Staates auch nicht Fallen werden. Die Ostexpansion seit Ende des Eisernen Vorhangs ist hier besonders zu betonen. Denn Spekulation kann einerseits durch Transaktionen, z. B. Investment Banking, Risikokredite etc., erfolgen und anderseits durch Wachstum. Denn eine Beteiligung zu erwerben in der Hoffnung aus diesen besonders viel Gewinn zu lukrieren, ist nichts anderes als Spekulation. Das Problem war leider nur, dass Gewinn und Verlust nicht einmalig erfolgen, sondern wechseln können und vorallem über längere Zeit auf einem Niveau bleiben.

Zu Beginn waren diese Geschäfte erfolgreich und haben Marktposition gesteigert sowie Deckungsbeiträge für das defizitäre Österreich-Geschäft gebracht. Nach und nach sind die Gewinne geschrumpft, denn immer mehr Kosten sind diese Beteiligungen entstanden (Wertberichtigung auf Anteile, Kredite). Auf der anderen Seite war auch die Internationale Rechnungslegung besonders hilfreich, da Zinsen – sobald vorgeschrieben – zwar als Ertrag gebucht wurden, jedoch niemand sicher sein konnte, ob diese auch jemals wieder bezahlt werden. In den meisten Fällen nicht, ansonsten müssten nicht Unmengen an Abschreibung auf diese Beteiligung gebucht werden. Viele davon sind nur in Kapitalflussrechnungen ersichtlich und nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung.

Das eigentliche Problem ist die österreichische Mentalität immer mehr sein zu wollen, als uns aufgrund unserer EinwohnerInnen-Anzahl und Finanzkraft zusteht. Warum sollte gerade das kleine Österreich das Finanzzentrum des Ostens sein? Vormals als Erfolg bejubelt. Heute als Unglücksbringer verdammt. Wir wollen immer in der obersten Liga mitspielen, ob im Fußball, Wirtschaft oder Politik. Wenn es eine Saison klappt, dann in unserem Verständnis auch in Zukunft. Jedoch hätten gerade wir in Österreich auch nachhaltige Beteiligungen, also ein Aufbau von Null weg anstatt M&A, setzen können. So wären den Banken eine Vielzahl von Risiken erspart geblieben. Leider wurde aber hier trotz fehlender, unvollständiger Information spekuliert, selbst wenn von diesen abgeraten wurde.

Aber somit hat es sich wieder einmal bewahrheitet. Gezockt wurde eifrig, aber den Einsatz haben Andere bezahlt.

Von guten Geschäften, die allen Cents erspart haben

Mein Kommentar zu @Nattl s http://www.nattl.at/2012/03/von-guten-geschaften-die-keinen-cent-kosten/

Nachdem @rokory mich gerade dazu aufgefordert hat, hier eine kurze Replik auf die bösen CDS und die KA Finanz zu verfassen.

Warum wurden meiner Meinung nach, Credit Default Swaps eingegangen bzw. Anleihen von Staaten „am Abgrund“ gekauft?

Nachdem die Kommunalfinanzierungen auch durch BASEL II – durch das Rating der höchsten verbundenen Instanz (in diesem Fall die Republik Österreich) – nicht eigenmittelhinterlegungspflichtig sind, konnte durch die fehlenden Risikokosten ganz anders bepreist werden. In der Bilanz 2010 sind knapp 72 % der Kreditverbindlichkeiten an Schuldner mit Rating AAA oder AA vergeben.

 Die Finanzierungen von Bund, Länder und Gemeinden sind mit geringen Aufschlägen auf die Geldmarktreferenzzinssätze getätigt worden, wobei auch die Bank durch die gute Bonität geringe Refinanzierungskosten hatte. Wer Geld wollte, wusste wo er/sie es bekommt! Aber andererseits ist die Kommunalkredit auch bei den Kosten nicht besonders sparsam gewesen. Neben den nicht schwachen 14 Gehältern in der Finanzbranche, wurde als „Bonus“ auch max. 2 Monatsgehälter, aufgrund der Basis der Leistung der einzelnen Beschäftigten, sowie max. 1 Monatsgehalt aufgrund der Performance der Bank bezahlt. In einem Jobinterview – auch ich habe mich 2005 für einen Posten in der KommKredit beworben – wurde mir dieser Verdienst auch angepriesen, neben der Option einer Krankenzusatzversicherung für mich, Lebensgefährtin und ev. Kinder, wobei hier nur der Sachbezug zu versteuern gewesen wäre.

Leider habe ich den Job nicht bekommen, da VDir Platzer im finalen Gespräch wegen meiner noch jungen Jahre – damals gerade erst 24 geworden – die Handbremse gezogen hatte. Jetzt könnten Stimmen aufkommen, dass ich nur deshalb so böse bin, weil … Aber das wäre zu leicht. Mit Beginn des Studiums Bank- und Finanzwirtschaft im Sept. 2007 war schon ein Bröckeln des Systems ersichtlich. Kosteneinsparungen, Reduktionen, etc. weil die Wachstumsraten nicht mehr eingehalten werden konnten.

Um diese fehlenden Einnahmen durch die knappe Marge, weil ablehnen wollte die Kommunalkredit die Kredite ja doch nicht, zu kompensieren, musste irgendwo im Finanzsektor Möglichkeiten gefunden werden, damit trotzdem ein Ertrag zustande kommt und die Bank mit Gewinn bilanzieren konnte.

http://calculatedriskimages.blogspot.com/

Oberhalb sind die Spreads für die 10jahresAnleihen gegenüber deutschen Anleihen mit der selben Laufzeit abgebildet. Zu sehen sind die Entwicklungen der einzelnen Anleihen der Länder über die letzten 2 Jahre.  Der Anstieg führt zu einer Abwertung der Anleihewerte, da aufgrund des Ausfallsrisikos immer höhere Diskontierungszinssätze angewendet werden müssen.

Eine Möglichkeit war aber die höheren Coupons von Mittelmeer-Staaten auszunützen, weil welcher europäische Staat geht schon Bankrott? Auf der anderen Seite wollte man nicht noch mehr Risikoaktiva aufbauen als notwendig und da waren Kreditderivate – aufgrund des niedrigen Risikogewichts – interessant. Dadurch wurde aber nichts gehedget, es wurde spekuliert, da sich das Risiko der beiden Geschäfte aber nicht gegenseitig aufgehoben hat.

Jetzt könnte mensch aber meinen, die Vorstände – insbesondere Fr. Ministerin Schmied – waren Schuld an dem Debakel. Für mich waren sie aber Getriebene … Billige Kredite auf der einen Seite, Renditen auf der Anderen …

Warum also müssen die SteuerzahlerInnen jetzt diese Entwicklung der letzten beiden Jahrzehnte ausbügeln? Weil auch wir Nutznießer der Entwicklung sind, wenn wir auf Landstraßen fahren, Thermen besuchen, Spitäler aufsuchen, etc. Darum müssen wir die Rechnung jetzt begleichen, denn schuldig sind wir sie ja geblieben.