Verpflichtungsfreie Tage sind nun wirklich kein Urlaub für AMS-Geld-BezieherInnen

Ich persönlich, befürworte die Forderung der Grünen – vor allem ist die ja nicht neu – nach 5 verpflichtungsfreien Tagen für AMS-Geld-BezieherInnen.
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Weihnachten 2000 auf Posten 431a oder mein Dienst an der Gesellschaft

In den letzten Monaten vor der Volksbefragung tauchen in den Nachrichten, TV-Shows und Zeitungsberichten vorrangig Menschen auf, wie der Oberlehrlingsvertreter Peschek, die über die Sinnhaftigkeit von Diensten in ihrer Grundwehrdienstzeit berichten. Meist sind es aber in der Folge jene Menschen wie Christoph Peschek, die auf die Pflichten Anderer pochen und die Rechte Derer aber beschneiden wollen, wo sie nur können.
Jeder Mensch hat in den vielen Rollen, die wir über haben, unterschiedliche Rechte aber auch differenzierende Pflichten.

Als männlicher Staatsbürger hat man neben der Stellungs- und Wehrpflicht auch allgemeine BürgerInnen-Pflichten, diese sichern uns eine Vielzahl an Rechten gegenüber der Republik, die aber nur durch die Leistung von Einzelnen sichergestellt werden kann. Egal ob dies Steuerleistungen, Ehrenamt oder eben auch den Dienst an der Gesellschaft sind, wer zu fragen beginnt, wieso jene Dinge notwendig sind, stellt das Prinzip der Solidarität in Frage. Jetzt John F. Kennedy hervorzukramen ist schon so abgedroschen, angesichts der politischen Lage in diesem Land, dass für mich vielmehr Voltaire einen interessanten Beitrag hinterlies.

Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.

Verantwortung auch auf Kosten der eigenen Geldbörse, Zeit und Kraft ist heute mehr angebracht als je zuvor. Wollen wir nur im Takt rudern oder die Verantwortung übernehmen. Wenn eineR aufhört zu rudern, machen die anderen weiter. Jedoch kann niemand mit einem Schiff segeln, bei dem nicht alle Taue los sind, die Segel gesetzt wurden und die Besatzung verpflegt wird. Jede einzelne Aufgabe wichtig und ein Scheitern vorausprogrammiert, wenn nicht jedeR seine/ihre Tätigkeit ausführt, zum Wohle aller.

Neben einer Vielzahl an Übungstagen als Milizsoldat, habe ich auch an einem sicherheitspolizeilichem Assistenzeinsatz während meines Grundwehrdienstes im Südburgenland teilgenommen. Ich habe mich länger auf die Abwesenheit am 24. Dez. einstellen können und für mich war daher ein vorgeschobenes Weihnachtsfest am 23. kein Problem. Nachdem mich mein Vater wieder zum Dienst gebracht hat und mit den Worten „Uiihh, hier ist es aber verdammt kalt“ nach dem Verabschieden wieder ins Auto gestiegen ist, habe ich mich in meinem Feldhemd umgedreht und kurz den Kopf geschüttelt. Verbracht habe ich dann die Zeit der eigentlichen Bescherung auf Posten 431a in der Nähe von Eisenberg. Besonders schlimm war es nicht, da mein späterer Trauzeuge mit mir Dienst versehen hatte und ein Tee mit Oma’s Vanillekipferl ein bisschen Weihnachtsstimmung auf unseren 1,5m² Hochstand gezaubert hat.

Diese Weihnachten waren natürlich ganz anders als die Vorherigen, jedoch ist mir erst später, wirklich bewusst geworden, dass die Situation einigen Menschen Sicherheit gegeben hat. In welcher Relation diese steht, sollte die Bevölkerung entscheiden. Denn auch von anderen Ehrenamtlichen erwarten sich die Menschen am 24. Dez. das selbe Engagement wie immer, damit jedem/r die Angst genommen wird, nicht naiv auf die Solidarität zu hoffen, zu der sie selbst bereit wären.

„Neue Väter“ oder wohin sind die Alten verschwunden?

Nachdem gestern sich wieder einmal jemand dem Thema Väter in Karenz angenommen hat, muss ich heute einmal kurz meine Meinung kundtun. Der gestrige Beitrag in „Thema“ hat wie so oft ein Bild verstärkt. Der sensible Mann in einem „femininen“ Beruf hat wenig Probleme sich länger in Karenz zu begeben.

Leider arbeiten nicht alle Männer in einer stark von Frauen dominierten Branche, die von normalerweise gewohnt ist, dass Arbeitnehmerinnen durch die Geburt eines Kindes länger absent sind. Das bedeutet, dass ein Großteil der Männer in einem Beruf oder Branche arbeitet, die es nicht „gewohnt“ ist. Daher sind die potentiellen Väter einer gewissen Ahnungslosigkeit gegenübergestellt. Dies ist hier positiv formuliert, da ich keinem/r ArbeitgeberIn unterstellen will, absichtlich Steine in die Karenzwege der Väter zu legen.

Verständigung der Firma

Aber da der Weg nicht der Selbe ist, den Frauen und Männer gehen, auf dem Weg zur Karenz, können wir auch keine Vergleiche ziehen. Einerseits sind Frauen, ab dem Zeitpunkt der Meldung der Schwangerschaft, vor einer Kündigung geschützt. Sie gehen nahtlos in den Mutterschutz und danach in die Kinderbetreuungszeit. Wie sieht das nun für Väter aus? Sie müssen – bei Stellenabbau etc. – schon taktieren, wann sie in ihrer Firma die freudige Nachricht verkündigen. Der Kündigungsschutz setzt erst 3 Monate vor Beginn der Kinderbetreuungszeit ein, jedoch ist da das Kind zumeist schon ein paar Monate alt. In meinem Fall schon 5 Monate, wobei ich meine Firma schon 1 Jahr im vorhinein informiert habe. Nun erschließt sich ein Dilemma für die Väter. Sagen sie es rechtzeitig, damit der/die ArbeitgeberIn planen kann, setzen sie sich dem Risiko aus, dass sie gekündigt werden können oder im besten Fall nur schikaniert werden. Hier kann ich symptomatisch für viele Väter, meine eigene Erfahrung in Spiel bringen, da ich selbst von einer Kürzung meiner Bonuszahlung sowie einer nicht vollkommen positiven Jahresbeurteilung (die erste in 12 Berufsjahren) betroffen war. Wenn ich als Vater mich nicht diesem Risiko aussetzen will, sage ich es der Firma 3 Monate vorher und hoffe, dass sie nicht allzu böse sind, jetzt kurzfristig Ersatz oder Übergangslösungen zu finden. Erfreut werden sie bei meiner Rückkehr keinesfalls sein.

Budgetpolster für Karenzbeginn

Da viele Familien heutzutage auf zwei Gehälter angewiesen sind, ist eine genaue Finanzplanung für die Zeit der Kinderbetreuung unerlässlich. Nachdem Wochengeld, wie Kinderbetreuungsgeld, erst Tage nach dem Monatsbeginn überwiesen werden, kommt es hierzu bei vielen Familien zu einem Engpass. Verstärkt wird das noch durch einen Wechsel zwischen Vater und Mutter, da hier genau analysiert werden muss, wann Cash Inflows erfolgen. Denn auch die Fixkosten wollen bezahlt werden. Ein weiterer Grund ist die nicht transparente Regelung, wieviel Geld man als Vater in der Kinderbetreuung bekommt. Normalerweise wird jener Betrachtungszeitraum herangezogen, der auch für die Berechnung des Wochengeldes der Frau verwendet wird. Bei mir war das 10-12 Monate vor dem Karenzbeginn (bei der Kurzfristvariante also bis zu 14-16 Monate vorher), wodurch ich meine Kollektivvertragserhöhung sowie eine Gehaltserhöhung verpasst habe. Bei Nachfrage habe ich von meiner Personalstelle – wie auch aus gut informierte Kreisen – gehört, dass der einzige Grund es nicht zu ändern ist, dass es ja auch positiv für Väter sein kann. Hier möchte ich der Falschinformation entgegenwirken, dass nur weil ein paar Väter mehr Geld bekommen, es gut für alle ist. Gut für alle ist es nur dann, wenn sich die Eltern im vorhinein über die zukünftige budgetäre Lage informieren können, d.h. das Kinderbetreuungsgeld der Väter aus den letzten 3 Monate VOR der Abgabe der Erklärung (mind. 3 Monate vor Antritt) berechnen lässt. Nur dann ist planbar, wieviel Geld zu Verfügung steht. Und Planbarkeit sichert Vätern auch Gewissheit!

Täglichen Hindernisse für Karenzväter

Wovor Väter sicherlich die meiste Angst haben, ist der schnell geschwungene Satz … „na siehst, wär‘ doch besser die Mutter daheim!“. Kleine Fehler werden von anderen/älteren/weiseren Frauen gleich als Weltuntergangsszenario erkannt, dabei habe ich nur vergessen einen Löffel für die Babynahrung einzupacken. Passiert das einer Mutter, ist es nicht so schlimm (Achtung: persönliche Erfahrung). Aber auch sich in der Welt der Mütter zurechzufinden, ist für viele nicht allzuleicht. Schon mal auf dem Waschbecken auf der Männer-Toilette Windeln gewechselt, weil der Wickeltisch auf der Damen-Toilette war? Und nicht wie in einer emanzipierten Gesellschaft seperiert wird. Naja, ist ja für Frauen kein Problem, die dürfen ja auf die Toilette und somit wird sich kein gesellschaftlicher Druck aufbauen, darüber nachzudenken.

WTF sind „neue Väter“

Jedoch mit Abstand die größte Geringschätzung für Männer, ist die Teilung in „neue Väter“ und den REST! Was macht diese Teilung aus? Nur der Punkt, dass ich in Karenz gehen konnte? Ich bevorzuge die Bezeichnung „Männer in Karenz“, da es der Wirklichkeit entspricht. Nur weil ein Mann in Karenz war, soll er neu sein? Was aber, wenn er danach trotzdem nichts von Kinderbetreuung hören will? Emotionale Beziehungen können Väter auch aufbauen, wenn sie nach dem nachhause kommen, sich mit ihren Kinder beschäftigen, die Mütter entlasten und zeigen, dass sie sich ihrer Rolle bewusst sind. Ansonsten müsste ich meinem Vater absprechen, eine emotionale Beziehung hergestellt zu haben. Und das trifft sicherlich nicht zu, da er heute für mich die Vorlage ist, wie ich als Vater sein will. Der einzige Unterschied, meine Frau verdient heute mehr als meine Mutter damals und das ist aufgrund höherer Bildung zurückzuführen, nicht auf die Bereitschaft der Männer.

Denn Väterkarenzzeiten muss sich eine Familie heutzutage noch immer leisten können, jedoch ist das ein anderes Problem!

Ich bin Vater, ich hatte die Chance zuhause zu sein und meine Tochter aufwachsen zu sehen. Ich gehe auch beim zweiten Kind in Karenz, komme was wolle!

Aber nur aufgrund DIESER Tatsache, bin ich weder NEU, noch gut!